von Theresa Breuer
"Wir mussten uns den Weg durch Mangroven und dorniges Gestrüpp frei sägen und etliche Stromschnellen überwinden. Eine Stromschnelle war so gewaltig, dass wir die Boote aus dem Wasser nehmen und etwa eine Tonne Material zu Fünft um das Hindernis herumschleppen mussten. In dieser Nacht wurden wir dann gegen ein Uhr auch noch von Killerameisen attackiert — die Zelte waren innen komplett schwarz vor Ameisen und beim Anschalten der Taschenlampen ließen sie sich auf uns fallen."
Was auf den ersten Blick wie ein Abenteuerurlaub gelangweilter Westeuropäer klingt, ist in Wirklichkeit der Bericht des Journalisten Helge Bendl. Momentan leitet er eine dreimonatige Expedition auf dem Sambesi Fluss. Sein Ziel ist es, die Malaria im entlegenen Sambesital zurückzudrängen.
Der Sambesi entspringt im Nordwesten von Sambia, nur wenige Kilometer entfernt von den Grenzen zum Kongo und zu Angola. Er ist insgesamt mehr als 2.500 Kilometer lang und Grenzfluss für sechs afrikanische Staaten. Die ersten 500 Kilometer des Sambesi sind nach Informationen des Expeditionsleiters Helge Bendl noch nie mit Booten befahren worden und das anscheinend nicht ohne Grund. "Eines Morgens zwängte sich der Fluss in eine sehr enge Schlucht, und es gab keine Möglichkeit diese Sektion zu befahren — es hätte den sicheren Tod bedeutet", erzählt Bendl, "die Boote allein mehr als einen Kilometer weit durch drei Meter hohes Elefantengras zu ziehen war unmöglich — wir haben uns also auf die Suche nach Helfern gemacht, was zwei Tage gedauert hat.
Und weil zum offiziellen Angola-Start der Expedition in Cazombo Minister und Offizielle anreisten, mussten wir dort sein, koste es, was es wolle." So wurde ihnen vom angolanischen Militär ein klappriger russischer Transporthubschrauber geschickt, geflogen von drei rauchenden ukrainischen Piloten, die die Crew mitsamt der Ausrüstung sicher ans Ziel brachten.
Über zwei Jahre lang plante Helge Bendl mit seinem Freund und zweiten Expeditionsleiter Andy Leemann die Schlauchboottour auf dem Sambesi. Das Projekt steht unter der Schirmherrschaft der weltgrößten Anti-Malaria-Organisation "Roll Back Malaria" (RBM) und dient als Auftakt zum "Trans-Zambezi-Project", durch das 1,5 Millionen Menschen entlang des Sambesi geholfen werden soll.
3.000 Kinder weltweit sterben täglich an Malaria
In der Hauptsache sind diese Menschen von Malaria betroffen, immer noch Todesursache Nummer eins in Schwarzafrika. Eine erschreckende Tatsache, wenn man bedenkt, dass Malaria durch einfachen Schutz wie Insektizide und Moskitonetze vermieden werden kann. Trotzdem sterben immer noch 3.000 Kinder am Tag an Malaria.
Die Krankheit konnte in vielen Teilen der Welt besiegt oder entscheidend zurück gedrängt werden. Die Ufergebiete des Sambesi sind jedoch ein eindrucksvolles Beispiel, wie schwierig sich die Bekämpfung der Seuche gestalten kann: Die Gebiete sind entlegen und schwer zugänglich, die politischen Verhältnisse unsicher. Um die Krankheit besiegen zu können, muss in den jeweiligen Ländern grenzübergreifende Kooperation stattfinden. Denn wenn nur in einem Land entlang des Sambesis Maßnahmen gegen Malaria getroffen werden, besteht die Chance, dass Moskitos aus dem gegenüberliegenden Staat den Fluss überqueren und die Seuche von Neuem ausbricht. Genau dieses Problems haben sich Helge Bendl und seine Crew angenommen. Mit Schlauchbooten fahren sie den Fluss entlang, verteilen Moskitonetze und werden bei ihrer Aufklärung immer wieder von Ärzten unterstützt.
Der Kampf kann gewonnen werden
Helge Bendl will nicht die Welt retten. Vielmehr möchte er mit seinem Projekt Aufmerksamkeit erregen und den Menschen zeigen, dass der Kampf gegen Malaria gewonnen werden kann, wenn man sich nur bemüht. Die Aufmerksamkeit bleibt nicht aus. Yvonne Chaka Chaka, eine berühmte afrikanische Sängerin, und Prinzessin Astrid von Belgien begleiteten Helge Bendl und sein Team bereits ein Stück den Sambesi entlang, um für das Projekt zu werben.
Zum Welt-Malaria-Tag Ende April in Sambia konnte die Crew 14 afrikanische Gesundheitsminister begrüßen, um mit ihnen über das Problem Malaria und die Notwendigkeit des Trans-Zambezi Projekts zu diskutieren. "Wenn hoffentlich bald 1,5 Millionen Menschen mit Moskitonetzen und Medikamenten versorgt werden, dann hat die Expedition ihren Teil dazu beigetragen, dass das Projekt verwirklicht wird. Und das ist doch schon was", bringt Helge Bendl die Motivation seiner Crew auf den Punkt.
Weitere Infos:
The Roll Back Malaria Zambezi Expedition.
Helge Bendl (*1978 in Tübingen) ist freier Journalist und einer der beiden Leiter des Sambesi-Projekts. Nach Abbruch seines Journalistik-Studiums in München hat er vier Jahre lang für die Reportage-Agentur Zeitenspiegel gearbeitet, wo er letzten Herbst kündigte, um sich ganz auf das Sambesi-Projekt zu konzentrieren. Gemeinsam mit seinem Partner Andy Leemann hat er das Projekt über zwei Jahre lang geplant, vorbereitet und Sponsoren gesucht. Leemann lernte er kennen, als er 2005 über dessen Expedition auf dem Mekong Bericht erstattete. Dafür erhielt der außerdem den Axel-Springer-Preis für junge Journalisten und den CNN Journalist Award. Seit Anfang des Jahres lebt Helge Bendl in Berlin, wohin er voraussichtlich Ende Juni zurückkehren wird.