Durch den Schnelllesekurs "Improved Reading" sollen Studenten ihre Lesegeschwindigkeit mehr als verdoppeln können. Was man sich wirklich davon erhoffen kann, hatte polar für euch im Wintersemester 04/05 recherchiert.
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Schneller lesen zum Sozialtarif
Unser umfangreicher Testbericht zu Improved Reading vom Dezember 2004 zeigte Wirkung. Die Kurse werden nun auch zum verbilligten Tarif von 30 Euro für Studenten mit geringem Einkommen angeboten. Normalerweise kostet die Teilnahme 150 Euro (bzw. 135 Euro mit „Frühbucherrabatt“).
Für Studenten, die BaföG bekommen oder einen Zuschuss zum Beitrag fürs Studentenwerk und das Semesterticket erhalten, sind ab sofort in jedem Kurs zwei Plätze zum Preis von 30 Euro reserviert. Mit dem Preisnachlass reagierte Friedrich Hasse, der Improved Reading für die Arbeitsstelle für Kommunikationsgeschichte und interkulturelle Publizistik (AKiP) betreut, auf die Kritik von polar an der Preispolitik von Improved Reading.
Meine Empfehlung an jeden, der den Beitrag von Natascha gelesen hat: Nehmen Sie doch bitte auch den oben abrufbaren Erfahrungsbericht eines polar-Redaktionsmitglieds zur Kenntnis. Er enthält eine transparente Erläuterung der gesamten Kursinhalte/Kursmethodik - und zieht ein ganz anderes Fazit als Natascha:
"Auch mit Abstand betrachtet ... kann ich den Kurs für die Menschen, die sich wünschen, schneller und effektiver lesen zu können, nur weiterempfehlen. Die Atmosphäre war offen und locker ... und am Ende kann ich von mir mit Fug und Recht behaupten, jetzt besser lesen zu können."
Vergleichen Sie, und beurteilen Sie selbst die sachliche Qualität der beiden Beträge.
Friedrich Hasse, Kurstrainer Improved Reading
Das Buch "Schneller Lesen" von Wolfgang Schmitz die Kurse von "Improved Reading", für die Professor Bernd Sösemann von der Freien Universität Berlin auf den Uni-Seiten wirbt, bringen sind die reine Geldverschwendung.
Wolfgang Schmitz ist Geschäftsführer von "Improved Reading". Sein Buch "Schneller Lesen - besser verstehen" (Rowohlt) beruht auf den gleichen Grundlagen wie der Kurs. Seine Idee ist, man soll das Lesen noch einmal lernen, weil sich beim Lesenlernen in der Schule angeblich Fehler eingeschlichen haben, die das Lesen verlangsamen:
1. unterschwelliges Mitsprechen
2. Zurücksprungen im Text (durch Konzentrationsmangel)
3. enger Blickfokus
Diese angeblichen Probleme wollen Buch und Kurse mit allerlei Übungen abtrainieren. Mehrere Wörter sollen auf einmal erfasst werden indem man den Text nicht Wort für Wort liest, sondern in Brocken erfasst. So sollen überflüssige Augenbewegungen vermieden werden, die angeblich wertvolle Mikrosekunden Zeit verschwenden. Dazu wird im Kurs ein Instrument eingesetzt, der so genannte "Reading Accelerator", eine von einem Uhrwerk angetriebene Scheibe, die einen zum schnellen Lesen zwingt (wer das Buch anwendet, soll eine Stoppuhr nehmen).
Das Problem ist nur: Es bringt überhaupt nichts. Die Methode ist so wertvoll wie eine Rheumadecke von der Kaffeefahrt.
Die angeblich neuen Techniken vermitteln Dinge, die jeder Leser, der älter als 10 Jahre ist, sowieso schon tut. Man fasst automatisch mehrere Wörter zu einer Einheit zusammen ("chunken"), sonst würde man den Sinn von Texten ja gar nicht verstehen.
Die Kurse von "Improved Reading" verursachen nichts als Kopfschmerzen und sind reine Geldverschwendung. Ich kann nur eindringlich davor warnen.
Mein Fazit:
Lesen ist KEIN Leistungssport. Der einzige Weg sein Lesen zu beschleunigen ist: Lesen. Und zwar mit eigenem Tempo, so dass man den Inhalt dabei noch versteht. Der Erfolg stellt sich dann mit der Zeit ganz von alleine ein.
P.S.: Immerhin weiß ich aus dem Buch, warum Professor Bernd Sösemann den völlig nutzlosen und überteuerten Pseudo-Kurs an der FU Berlin etabliert hat: Mitautorin des Buches und Projektleiterin des Unternehmens "Improved Reading" ist eine gewisse Britta Sösemann ...