Als Professor Dr. Franz Ansprenger 1992 emeritiert wurde, verlor die Universität den bekanntesten deutschen Afrika-Experten. Außerdem wurde sein Lehrstuhl für Afrikaforschung nicht neu besetzt und schließlich gestrichen. Auch die Gastprofessur des Kameruners Kum’a Ndumbe blieb ein Provisorium. Vorlesungen oder Seminare über Afrika wurden zur Seltenheit, der Schwerpunkt am OSI lag auf Asien.
Christian Walther, Vorsitzender des Absolventenvereins OSI-Club, erkannte das Problem: "Afrika drohte in der Region von der Landkarte zu verschwinden. Da wollten wir gegensteuern."
2004 beschloss der OSI-Club in seiner Mitgliederversammlung, die Rückkehr der Afrika-Lehre ans OSI zu fördern. In Gesprächen mit dem Auswärtigen Amt, der Stiftung Wissenschaft und Politik und anderen Institutionen wurde erkundet, wie viel Hilfestellung der Verein bekommen könne. Das Interesse war groß und so gibt es dieses Semester Grund zum Feiern.
Gleich vier Veranstaltungen bietet der OSI-Club an, für die als Dozierende zum Beispiel Herta Däubler-Gmelin, die Sprecherin des Afrika-Kreises der SPD-Bundestagsfraktion, Stefan Mair, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Wissenschaft und Politik und dem Afrikaforscher Dr. Dr. Ulrich van der Heyden gewonnen werden konnten - ehrenamtlich und unbezahlt.
Außerdem wurde für dieses Wintersemester eine öffentliche Ringvorlesung unter dem Titel "Afrika - Europas verkannter Nachbar" aus dem Boden gestampft. In den vierzehn Vorträgen (jeweils Donnerstags von 18 bis 20 Uhr, Ihnestr. 21, Hörsaal A - Programm unter www.osi-club.de) kommen so viele hochkarätige Gäste zu Wort. Unter ihnen sind zum Beispiel der Botschafter von Namibia, die Beauftragte für Afrikapolitik des Auswärtigen Amtes, der Präsident des African Cultural Institute, Peter Eigen von Transparency International oder Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Die Dozierenden erhielten vom OSI-Club je 250 Euro für die Beschaffung von Afrika-Literatur. Über 20 neue Bücher konnten so der OSI-Bibliothek zur Verfügung gestellt werden. Trotz dieses Engagements sollte sich der Fachbereich Politik an der Freien Universität jedoch nicht zurücklehnen. "Wir entlassen die Uni nicht aus ihrer Verantwortung, sondern wir erinnern sie daran", meint Christian Walther. "Nicht durch Nörgeln von der Seitenlinie, sondern als Libero auf dem Spielfeld".
Hilfe kommt jetzt auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Sie bewilligte dem OSI und einer Reihe kooperierender Forscher den Sonderforschungsbereich "Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit". Viele der untersuchten Räume liegen in Afrika, wie zum Beispiel Kongo, Togo und Nigeria. Und so wird Afrika wohl wieder für längere Zeit eine Heimat in Dahlem finden. (Robert Kneschke)
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